3 FRAGEN AN... BASTI BENING VON DER MUSIKSCHULE VIERTELTAKT

3 FRAGEN AN... BASTI BENING VON DER MUSIKSCHULE VIERTELTAKT

Basti Bening macht schon seit seiner Kindheit Musik - er sang am Volkstheater Rostock, im Dresdner Kreuzchor und lernte zudem Klavier und Gitarre. Seine Ausbildung war zwar recht "klassisch", dennoch kennt er sich in den unterschiedlichsten Genres aus und gibt sein Wissen an seine Instrumentalschüler weiter.

Was einen an seiner Musikschule erwartet und in welchen Projekten Basti gerade noch so drinsteckt, haben wir für euch mal in Erfahrung gebracht...

2013 hast du die alternative Musikschule Vierteltakt gegründet. Das macht man ja nicht einfach mal so - wie kam es dazu und wo liegt der Unterschied zu anderen Musikschulen?

Seit meiner Kindheit mache ich Musik und konnte von Anfang an die unterschiedlichsten Facetten von Klassik bis Rock und die Vielfalt von Kultur und Musik kennenlernen. Ich genoss eine recht klassische Ausbildung, sang am Volkstheater Rostock, im Dresdner Kreuzchor, wurde von verschiedensten hochkarätigen Dozenten in den Fächern Klavier, Gesang und Schlagzeug ausgebildet und lernte so später auch die Welt des Jazz, Blues und Swing kennen. Von Oper und Theater über Volksmusik zu Pop, Rock, Swing und Blues spielte ich sowohl solo als auch mit diversen Bands auf großen und kleinen Bühnen. All diese Erfahrungen haben mich natürlich positiv geprägt und so möchte ich diese auch in meiner Arbeit als Lehrer weitergeben. Musik soll Spaß machen und muss nicht immer für jeden so klassisch stattfinden, wie ich es zum Teil erlebt habe. Was nicht heißt das es mir geschadet hat. Im Gegenteil. Doch das ist genau der Ansatz den ich als alternative Musikschule verfolge: herauszufinden was für einen Schüler gut ist und individuell darauf einzugehen, abseits vom Klischee des verstaubten, eintönigen, klassischen Musikunterrichts. Warum sollte man sich als Lehrer im Einzel-Klavierunterricht nicht einfach mal mit der E-Gitarre oder dem Cajon dazusetzen oder den eigentlichen Klavierschüler nicht auch mal an das Schlagzeug setzen, um ihn die Musik und den Rhythmus mal aus einer ganz anderen Perspektive erleben zu lassen. Den Schülern die Vielfalt der Musik zu vermitteln ist das, was mir wichtig ist und was mir Spaß macht. So kann ich auch den Spaß an der Musik in den Schülern wecken. Der Zusatz "alternative Musikschule" ist eigentlich aus dem entstanden was ich mache. So findet der Unterricht auch nicht nur spröde im kahlen Kämmerchen statt. Musik findet überall statt und kann auch überall vermittelt werden. So veranstalte ich z.B. im Sommer Ukulele- und Trommelworkshops an unseren schönen Ostseestränden oder auf Festivals, um auch hier den Menschen, die den normalen Weg in die Musikschule eher nicht gehen, die Freude am Erlernen eines neuen Instrumentes und den Spaß an der Musik zu vermitteln. Wir besuchen Instrumentenbauer, um den Schülern den Wert eines Instrumentes näher zu bringen und eben auch mal etwas weiter als immer nur bis zu den Tasten zu schauen oder Konzerte und Veranstaltungen, bei denen wir Organisation, Aufbau und mal hinter die Kulissen einer solchen sehen können. "Musik erleben" ist das Motto unter dem der Unterricht bei uns stattfindet und da gibt es eine Menge zu erleben. Warum sollte man das nicht auch schon in der Musikschule können?


Für dein Projekt "Musik durch Integration" hast du Ende des Jahres 2015 die Auszeichnung für Prävention vom "Weißen Ring" Rostock verliehen bekommen. Was verbirgt sich hinter dem Projekt?

Mit der Gründung der Musikschule Vierteltakt in der Satower Straße wurde mir die Nähe zur Asylbewerberunterkunft bewusst. Ich musste nicht lange überlegen wie es für mich wäre, in meiner verlassenen Heimat ein Instrument gespielt zu haben und dieses nun gerade nicht zu können. Ich glaube jeder Musiker, der sein Instrument mal ein paar Tage nicht in der Hand haben kann, kennt es. Es ist schrecklich. Außerdem wollte ich den Bewohnern der Unterkunft die Möglichkeit bieten, etwas Normalität, Alltag und schlicht auch etwas Ablenkung zu erleben und zum Instrumentalunterricht kommen zu können. Ich wollte ihnen eine Möglichkeit schaffen, sie aus der Isolation der Unterkunft und in ihre Nachbarschaft zu holen. Ich war da, die Bewohner waren da – was sollten wir da groß Zeit verlieren? Die Musikschule war noch nicht ganz eröffnet, da lud ich mit Absprache des Betreiber Ökohaus e.V. die ersten interessierten Kinder in meine Räume ein. Wir probierten uns etwas an den Instrumenten aus, spielten Schlagzeug, Klavier, Gitarre usw. Als jeder sein Wunschinstrument gefunden hat, vereinbarten wir wöchentliche Stunden für den Einzel- oder kleineren Gruppenunterricht. Seitdem findet der Unterricht für Asylbewerber bei uns ehrenamtlich statt. Ich möchte damit auch einen Teil zur Integration nicht nur der Asylsuchenden, sondern auch der im Wohngebiet Stadtweide und in ganz Rostock lebenden Menschen beitragen, um so in einer bunten, neutralen Umgebung durch musikalische Begegnungen und gemeinsames Musizieren eventuellen Vorurteilen entgegen zu wirken oder von vornherein vorzubeugen. Mit privaten Spenden und einem Solikonzert im Peter-Weiss-Haus konnte ich nach und nach einige Trommeln anschaffen, um noch mehr Menschen zu erreichen und die Möglichkeit zum Musizieren zu bieten. Seitdem fahre ich in die verschiedenen Not-, Transit- und Gemeinschaftsunterkünfte, um dort Trommelkurse zu geben und mit den Menschen zu musizieren. Aus diesen heraus entwickelte sich auch eine Trommelgruppe, mit der wir auf Veranstaltungen spielen. Für diese ehrenamtliche Arbeit und das Musizieren mit Asylbewerbern erhielt ich im Oktober 2015 den Präventionspreis des "Weißen Ring". Ich habe mich sehr über die Anerkennung meiner Arbeit gefreut. Der Preis wurde im Trihotel Rostock verliehen, wo wir auch eine kleine Kostprobe mit unserer Trommelgruppe gaben. Im Zuge dessen spendete uns der Musiker und Hoteldirektor Benjamin Weiß Musikequipment. So konnte ich den Trommelbestand aufstocken und Equipment für kommende Bandprojekte anschaffen.


Dein Arbeitsalltag dreht sich hauptsächlich um Musik. Was machst du am liebsten, wenn du mal kein Instrument in der Hand hast?


Mein Alltag ist natürlich sehr von der Musik geprägt und eigentlich mache ich kaum etwas, was ich nicht auch mit Musik verbinde. Die Flüchtlingshilfe ist mir auch unabhängig vom Musizieren sehr wichtig, sodass ich auch hier verschiedene, nicht musikalische Aufgaben übernehme.
Ich mag die Natur in Meck Pomm, bin gerne im Land und auf dem Wasser unterwegs und liebe es genauso mal raus zu kommen und andere Orte, Städte und Länder zu besuchen und die Welt zu entdecken. Ich laufe dann immer ganz gespannt wie ein kleines Kind durch die Gegend und sauge alles förmlich auf :) Ansonsten freuen sich meine 3 Monate und 3 Jahre alten Töchter, wenn Papa mal da ist. Für die nächste Zeit habe ich mir fest vorgenommen, selbst wieder etwas mehr Musik zu machen, denn das kommt bei all dem Unterrichten manchmal leider etwas zu kurz.


Mein Musiktipp aus MV:
Ich mag gute, handgemachte Musik und bin immer wieder begeistert, was auch in MV entsteht. Zuletzt begeistert hat mich The Outis Nemo One Man Band - Meine erste Frage war: "Der kommt aus Rostock?"

http://www.popkw.de/popkw/3-fragen-an-statements-zur-kultur-und-kreativwirtschaft-in-mv.html

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